Die Geschichte des Vereins

 1838

Die Gedanken, einen Gesangverein zu gründen, gehen in die dreissiger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Es war im Jahr 1838, als sich 36 Männer zusammenfanden, einen Verein, den "Liederkranz" Horrheim zu gründen.

Unsere Vorfahren müssen begeisterte und fleissige Sänger gewesen sein, denn schon im Gründungsjahr beteiligten sie sich mit Erfolg an einem Gesangswettstreit in Markgröningen.

 1840

Im Jahre 1840 beteiligte sich der Verein an einem Sängerfest in Heilbronn, das sie auf einem Wagen, mit 4 Pferden bespannt, erreichten. Mit dem Marschlied "Frühling schmückt die Brust der Erde", alle Sänger in weissen Hosen, marschierten sie durch die Stadt. Durch den Gesang der Horrheimer aufmerksam geworden, liess König Wilhelm 1., der auf dem Balkon des Heilbronner Rathauses Platz genommen hatte, den Verein anhalten und erkundigte sich darüber, warum der Verein keine Fahne habe. Auf dem Festplatz sang der Verein "Unsere Wiesen grünen wieder".

 1841

Nach diesem Vortrag versprach der König, eine Fahne zu stiften, die er dann am 30. Oktober 1841 überreichen liess. Leider musste der Verein im Revolutionsjahr 1848 die schweren silbernen Quasten und den Ehrenkranz verkaufen.

Im Zuge der Nachforschungen über unsere Vereinsgeschichte haben wir vom Staatsarchiv Stuttgart nebenstehendes Dokument erhalten:

An den König

Bericht der Königlichen Hof-Domainen-Kammer, in betreff der Bitte des Gesangvereins zu Horrheim im Hofkammeral Bezirke Freudenthal, um Unterstützung zur Anschaffung einer Fahne.

Stuttgart, den 22. November 1841

Auf die zurück angeschlossenen, vor dem Gesangverein zu Horrheim unmittelbar eingereichte untertänigste Bitte haben wir durch das Hofkammeral Amt Freudenthal über die persönlichen Verhältnisse, den Grad der Bedürftigkeit und das Annehmen der Mitglieder des Vereins so wie darüber Erkundigung einziehen lassen, was  eine Fahne, so wie sie der Verein wünscht, kosten würde.

 

D, D. am 26. November 1841

Dem Gesangverein in Horrheim im Hofkammeral Bezirk Freudenthal wird zur Anschaffung einer Fahne eine Unterstützung von 43 Fo. aus  der Oberhofkasse gez. bewilligt.

Es ist hierauf die Nachricht eingegangen, dass der Verein zur Zeit aus 12, teils verheirateten jungen Bürgern, neben 2 Schullehrern, weiche wöchentlich 2 bis 3 Stunden Sing - Unterricht erteilen, bestehe; dass die Mitglieder unbemittelt seien, und dass sie die Aufbringung des unumgänglichen Aufwands für Musikalien, Zimmerbeleuchtung und dergleichen schon einige Aufopferung koste, dass ihr Wunsch auf eine Fahne von der Art, wie die beiliegende Zeichnung sie angibt, und die ungefähr 43 Fo. kosten würde, gerichtet sei, endlich dass sie von Seit des Orts - Vorstands und Gemeinde Rath das Zeugnis eines sehr guten Betragens haben.

 

In dem wir Eurer Königlichen Majestät diese Umstände ehrerbietigst anzeigen, haben wir untertänigst anheim zustellen, ob und was Allerhöchst Dieselben zu Gunsten der Bittsteller zu verfügen, gnädigst gereiche wollen.

 Ehrfurchtsvoll

 

 

 

 

 

1866/70

ÂIn den folgenden Jahren festigte sich der Verein immer mehr, viele neue Sänger kamen. Der Verein nahm an öffentlichen Ereignissen teil, bis 1866 - 1870 einige Sänger in den Krieg ziehen mussten, wodurch das Vereinsleben gestört wurde.

 1880

Im Jahre 1880 wurde wieder ein Gesangverein gegründet, "Concordia" Horrheim genannt. Die beiden Vereine wetteiferten im Gesang miteinander.

 1891

 1891 wurde das 50jährige Jubiläum der Fahne gefeiert, das von Sängern aus nah und fern besucht wurde. In dieser Zeit wurde noch ein dritter Verein, die "Sängerlust" Horrheim, gegründet. Es hatte damals den Anschein, als müssten die Horrheimer mit 3 Vereinen für den ganzen Kreis singen.

 1900

Schon um die Jahrhundertwende schmolzen diese Vereine mehr und mehr zu einem Faktor zusammen, der aus dem Leben und der Geschichte Horrheims nicht mehr wegzudenken war.

 1914

Mitten in das Schaffen der Sänger und ihrer Chorleiter hinein erscholl am 2. August 1914 der Ruf: Krieg!

Die meisten Sänger wurden eingezogen, das Vereinsleben starb und mit ihm viele treue Sänger.

Als dieser Krieg 1918 beendet war, wurde wieder von Neuem begonnen. Die Liebe zum Gesang war grösser als die Erlebnisse.

 1919

 1919 wurde man sich darüber klar, dass es besser sein würde, die noch übrig gebliebenen Sänger der 3 Vereine zu vereinigen und so wurde dann der "Sängerbund" Horrheim als Verein für alle Sänger gegründet.

Die folgenden Jahre zeigten, wie vorteilhaft diese Verschmelzung war.

Der Verein übernahm die kulturelle Gestaltung in der Gemeinde und konnte fast in jedem Jahr an den damals üblichen Preissingen mit Erfolg teilnehmen.

 1937

 1937 wurden 2 Sänger, Hans Bramm und Albert Pfeil, abkommandiert, mit beiden Vereinsfahnen per Zug die beschwerliche Fahrt zum 12. Deutschen Sängerbundfest nach Breslau in Schlesien zu unternehmen. Reich an Eindrücken, die Fahnen geschmückt mit der Führerplakette, kehrten beide nach 5 Tagen wieder zurück.

 1938

Im Jahr 1938 wurde mit grosser Begeisterung das 100jährige Jubelfest verbunden mit einem Heimattag der Gemeinde und einem Kinderfest gefeiert, das als glanzvolles Fest in die Geschichte des Vereins eingegangen ist. Verantwortlich war damals der Vorsitzende Friedrich Lipps und der Chorleiter Adolf Heinser.

 1939/45

Das Festjahr 1938 war kaum verklungen, breiteten sich wieder Schatten über unsere Heimat, über unseren Verein aus. 1939 begann der 2. Weltkrieg, der bis 1945 dauern sollte. In diesen Jahren war die Tätigkeit des Vereins vollkommen erlahmt. Bis auf wenig waren alle zum Militärdienst einberufen. Nur ab und zu sangen die wenigen Horrheimer mit ihren Sangesfreunden aus

Sersheim bei Beerdigungen. Dieser schreckliche Krieg hat die grössten Lücken in die Reihen des Sängerbundes gerissen. Einigen mutigen Mitgliedern, an der Spitze Hans Bramm und Otto Rieger, ist es zu verdanken, dass während des Einmarsches der alliierten Truppen der Stolz unseres Vereins, die beiden Fahnen, gerettet werden konnten.

 1948

Nachdem die Schrecken des Krieges vorüber waren und die Not der Nachkriegsjahre sich zu lindem schien, fand sich im März 1948 im Gasthaus Engel" wieder eine Schar alter Sänger zusammen. Allen voran Friedrich Lipps, der als Vorstand fungierte Aber auch junge Männer, die am Gesang Freude gefunden hatten, traten dem Verein bei. Eine große Triebfeder war Herr Erhard Wolf, der die chorische Leitung übernahm und dem wir viel zu danken haben.

In den folgenden Jahren kam ein rascher Anstieg, der in Konzerten, bei Veranstaltungen der Gemeinde Horrheim und der St. Clemens - Kirche und besonders bei der 110 jährigen Fahnenweihe 1951 seine Höhen erfahren durfte.

Leider zeichnete sich durch den unverhofften Tod des Vorsitzenden Friedrich Lipps eine Krise ab. In einer ausserordentlichen Hauptversammlung am 1. September 1951 wurde Alfred Faigle als neuer Vorsitzender gewählt. Dieser war damals erst 26 Jahre alt, wuchs jedoch sehr schnell in seine Aufgabe hinein und der Verein war wieder in guter Führung.

 1954

 1954 musste leider der langjährige Dirigent Erhard Wolf aus beruflichen Gründen aus Horrheim wegziehen, was wiederum einen Einschnitt ins Vereinsleben im Sängerbund bedeutete. Zum Glück fand man in dem Rektor Karl Wössner einen guten Nachfolger. Die chorische Arbeit und damit die Leistung des Chors ging stetig aufwärts, was bei vielen öffentlichen Auftritten bewiesen wurde.

 1961

Erspart blieb dem "Sängerbund" nichts; denn mitten im Aufwärtsstreben wurde Herr Wössner im Jahre 1961 aus unserer Mitte gerissen. Er verstarb als guter Freund des Vereins. In der Folgezeit war es sehr schwierig, den Verein am Leben zu halten, wäre nicht der Vizedirigent Bernhard Lipps immer wieder eingesprungen. Noch im Jahr 1961 gelang es, Herrn Hans - Wolfram Wohlfarth für die Arbeit als Chorleiter zu gewinnen. Die gesangliche Leistung wurde ausgebaut, was sich im Beitritt vieler junger Sänger widerspiegelte. Es wurde auf vollen Touren auf das große Jubiläum, 125 Jahre "Sängerbund" Horrheim hingearbeitet.

 1963

Vom 22. bis 24. Juni 1963 hatte sich Horrheim in ein festliches Gewand gesteckt. 1 Festzelt am Kanalweg wurde zum Auftakt ein Opern- und Operettenabend abgehalten, in dessen Verlauf die Zelter-Plakette überreicht wurde, die der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke verliehen hatte. Einen großen Anteil am Festprogramm hatte der damals noch sehr junge Musikdirektor Gotthilf Fischer mit seinen Chören. Der Sonntag wurde geprägt durch einen großen Festzug durch die Strassen Horrheims mit anschliessendem Freundschaftssingen der Gastvereine und abends mit einem eindrucksvollen bunten Programm.

 1970

Chorleiter Wohlfarth wurde nach einigen Jahren leider von seinem Wohnort Großglattbach nach Neubärental als Schulleiter versetzt. Aber trotzdem leitete er den Chor noch bis zum Jahre 1970, was damals für ihn große Opfer durch die weite An- und Rückfahrt abverlangte. Durch eine intensive Werbung konnte im Dezember 1970 Herr Lothar Epple als neue Chorleiter verpflichtet werden. Dank der guten Arbeit und vieler neu erlernter, moderner Chöre hat der Chor eine hohe Leistungsstärke erreicht, wie sie noch nie im Verein bestanden hatte. Im Dezember 1970 unter Chorleiter Epple wurde im Verein ein Musikausschuss gebildet, der für Liederauswahl und besondere Gestaltung von musikalischen Veranstaltungen mitverantwortlich sein soll, was sich als sehr nützlich erwiesen hat. Unter Lothar Epple hat der Chor einen vorher nie erreichten Leistungsgrad  erarbeitet, was sich bei öffentlichen Auftritten bewies.

 1974

Bei der Generalversammlung am 19. Januar 1974 im Sängerheim stellte leider Albert Abel sich als 1. Vorsitzender nicht mehr zur Wiederwahl. Der seitherige Stellvertreter Willi Weilbacher wurde für dieses Amt einstimmig von der Versammlung bestätigt.

 1978

Am 8. April 1978 beging der Verein in der Mettertalhalle in Horrheim mit einem würdigen Konzert unter Mitwirkung befreundeter Vereine aus Aurich, Mühlhausen, Hohenhaslach und Kleinglattbach sein 140 jähriges Bestehen.

 1985

Im Mai 1985 fand ein Dirigentenwechsel statt. Als neuer Chorleiter konnte der Musiklehrer Tyll Rohland verpflichtet werden. Unter fachlicher Führung soll der leistungsfähige Chor Zug um Zug auf das 150. Gründungsjahr 1988 vorbereitet werden. Auf der Grundlage einer gesunden Vereinsstruktur ist unser Männerchor für die Zukunft gerüstet. Aktive Sängerwerbung und aktuelle Chorliteratur bilden hierfür einen wichtigen Rahmen

 1988

150 Jahre MGV Horrheim

 

2005

Gründung des Frauenchores MissKlang unter Leitung von Sascha Rieger

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